Das Ding mit den Zielen

Das Ding mit den Zielen

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Doch ist ein guter Wille wirklich alles? Wie erfolgreich wir im Leben sind und wie wir die täglichen Aufgaben meistern, hängt meiner Meinung nach auch vor allem davon ab, wie wir uns selbst motivieren können. Dazu gehört insbesondere das setzen realistischer Ziele und eine ehrliche Selbsteinschätzung. Realistische oder auch sinnvolle Ziele sollten möglichst hoch, aber dennoch erreichbar sein. Manchmal bedarf es auch einer Korrektur und meistens reicht unser Alltagswissen oder der „gesunde Menschenverstand“, um zu sehen, dass gewisse Ziele eben nicht so sinnvoll sind.

Ein sinnvolles Ziel ist jedoch noch keine Garantie dafür, dass es auch erreicht wird. So ist es ein Unterschied, ob das Erreichen des Zieles nur von mir abhängt (Aufhören zu Rauchen) oder mit anderen Menschen verbunden ist. Aber auch bei Zielen, die grundsätzlich nur von meinem Tun abhängen, ist es mit Willenskraft allein nicht getan. Der Grund ist die Begrenztheit unserer psychischen Ressourcen, die genauso begrenzt sind, wie unsere körperlichen Kräfte. Es ist also durchaus sinnvoll mit unseren Willensressourcen sparsam und sinnvoll umzugehen. Aber wie lassen sich unnötige psychische Energiefresser vermeiden?

Vieles im Leben tun wir deshalb, weil es uns Spaß macht. Darunter fallen durchaus auch physisch anstrengende Tätigkeiten. Es gibt Menschen, die aus lauter Vergnügen regelmäßig anstrengende Sportarten ausüben. Manches müssen wir tun, zum Beispiel im Beruf, was uns zunächst kein Vergnügen macht, aber wir bekommen dann doch Spaß an der Sache, vielleicht weil etwas „gut läuft”. Es kommt auch vor, dass wir von einer Aufgabe gepackt werden und erst aufhören können, wenn wir sie gelöst haben. Sowas wird auch „intrinsische Motivation” bezeichnet. Hier sind keine äußere Anreize oder besondere Willenskraft notwendig, um das Ziel zu erreichen.

Natürlich kann man nicht nur Dinge tun, die einem Spaß machen. Man kann jedoch darauf achten, dass man noch genügend Reserven hat, um Dinge zu tun, die uns aus reiner Freude an der Sache motivieren. Allerdings kommt man dadurch oft in ein Dilemma. In der Regel ist es doch so, dass man Erfolge, die unter großer Anstrengung entstanden sind, mehr wertschätzt, als jene, die man aus reiner Freude am Tun erreicht hat. Die Frage die sich hier stellt ist: Wie sollen wir mit psychischen Ressourcen ökonomisch umgehen, wenn es gerade die Anstrengung ist, mit der wir die Wertigkeit eines erreichten Zieles beurteilen? Vielleicht sollten wir uns von der Vorstellung verabschieden, dass ein Erfolg umso wertvoller ist, je mehr wir uns verausgabt haben oder je mehr wir uns überwinden mussten.

Vielleicht sollten wir auch andere Informationsquellen zur Einschätzung der für das Selbstwertgefühl so wichtigen Wirksamkeit des eigenen Tuns heranziehen. Eine solche Quelle kann z.B. schlicht und ergreifenden er Erfolg sein, also die Frage, ob das gesteckte Ziel erreicht wurde oder nicht. Auch ob die Sache Spaß macht, ist eine wichtige Information, sie kann sogar den Erfolg bis zu einem gewissen Grad ersetzen.

Wenn der Erfolg aus Gründen, die man selbst nicht zu verantworten hat, dauerhaft ausbleibt, lohnt es sich auch, das Ziel weniger wichtig zu nehmen oder sich ganz von ihm zu lösen. Im Laufe eines Lebens müssen wir immer wieder Situationen meistern, in denen unsere Einflussmöglichkeiten gering oder gar nicht vorhanden sind z.B. bei Krankheit, Alter, Unfälle, Schicksalsschläge. In so einer Situation können wir jedoch unsere Maßstäbe ändern. Wir vergleichen uns dann zum Beispiel mit anderen Personen als jenen, an denen wir uns früher gemessen hatten. Das hilft, die Zufriedenheit zu bewahren und uns angemessene Ziele zu setzen.

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