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DAS BERBERPFERD IN DER ALTKALIFORNISCHEN REITWEISE

Auch wenn der Berber den meisten Reitern der altkalifornischen Reitweise meist nichts als erstes in den Sinn kommt, so ist diese Rasse doch geradezu prädestiniert für die kalifornische Reitkunst, bzw. altkalifornische Reitweise und deren Gebrauchsreiterei. Mit seinem kurzen und tragfähigen Rücken, seiner Versammlungsbereitschaft, der harmonischen Muskulatur, den bequemen Gängen und enormer Wendigkeit verbindet der Berber in idealer Weise alle Merkmale, die ein gutes Arbeitspferd haben sollte, welches nicht nur den „Job“ machen kann, sondern dabei auch noch Stil und Klasse zeigt. Fast noch wichtiger sind allerdings seine Interieurmerkmale. Als leistungsbereites, leichtrittiges und sensibles Pferd, welches für seinen Reiter und menschlichen Freund durchs Feuer geht ist er sowohl in der Dressurarbeit, als auch bei der Arbeit am Rind der ideale Begleiter, welcher aufmerksam mitarbeitet, gelehrig und extrem intelligent ist. Der Berber erfüllt alle Anforderungen an ein vielseitiges Pferd für alle Lebenslagen, welches in dieser Reitweise gewünscht ist und besticht dabei noch mit seiner Eleganz und seinem Mut, der dem Reiter gerade bei der Cow Work die Arbeit leicht macht.
Aber auch historisch gibt es zahlreiche Verbindungen zwischen dem Berber Pferd und den California Vaqueros.

Hackamore und Berberpferd, eine gemeinsame Geschichte

Die Hackamore (Ausbildungszäumung der Vaqueros, bestehend aus Bosal, Hanger und Mecate) und den Berber verbindet eine gemeinsame Geschichte, die bis ins Jahr 2200 v. Chr. Zurück geht. Aus dieser Zeit stammen die ältesten bekannten Höhlenmalereien im Atlasgebirge, dem Grenzgebiet zwischen Marokko und Algerien, von gebisslos gerittenen Pferden. Dieses Gebiet ist nicht nur das Urspungsgebiet des Berbers, sondern eben auch der Ursprung der gebisslosen Reiterei bzw. einer Zäumung, die schon 550 v. Chr. bei den Persern als Hakma bekannt war, im arabischen Sakima heißt und auf altspansich als Xaquima bezeichnet wurde – der Ursprung des englischen Wortes Hackamore. Diese wurde im Altertum, ähnlich wie heute in der Natural Horsemanship beim Anreiten von Jungpferden, mit einem Zügel verwendet, der als direkter Zügel über den Hals geworfen wurde.
264 v. Chr. kämpften numidische Reiter an der Seite Hannibals gegen Rom, welche wohl als erste diese Art der Zäumung ins heutige Europa brachten.

Mit dem Einfall der Mauren im Jahr 711 brachten diese, neben ihrer Art zu Reiten bzw. ihrer Horsemanship, dann erneut ihre Ausrüstungsgegenstände und auch Pferde mit.

Der Einfluss des Berbers auf die iberischen Rassen

So ist auch der Einfluss des Berberpferdes auf die iberischen Rassen, welche die Konquistadoren mit in die neue Welt brachten, offensichtlich. Ein altes Sprichwort besagt , dass ein guter Berber, ein Lusitano und eine PRE äusserlich kaum zu unterscheiden sind – leider hat sich dies im Bezug auf die iberischen Rassen mit der Änderung des Zuchtzieles im letzten Jahrhundert geändert.
Die Besiedlung der amerikanischen Westküste erfolgte durch die Spanier, welche sowohl ihre Pferde, als auch deren Ausrüstung mitbrachten, es zeugen noch heute zahlreiche Traditionen und Ausrüstungsgegenstände vom maurischen Einfluss in der altkalifornischen Tradition, wie z. B. die Form der Kandarencheeks im Halbmonddesign oder die Tradition für ungerade Zahlen bei Verzierungen oder Kettengliedern, welche gerade im Islam eine hohe Bedeutung geniessen. Auch das in Kalifornien früher weit verbreitete Chileno Ring Bit ist ein nordafrikanisches Erbe und kommt dort noch häufig zum Einsatz.

Die gebisslose Ausbildung

Das wichtigste Erbe der Mauren, neben ihren Pferden, ist aber wohl die Kunst der gebisslosen Ausbildung von Pferden, welche in Kalifornien mit der Hackamore wohl zu ihrem Höhepunkt kam.
Durch seine dehnende und gleichzeitig beizäumende Wirkung ist das Bosal, die Ausbildungszäumung der altkalifornischen Reitweise, bei korrekter Anwendung, dazu geeignet Pferde komplett darin auszubilden und auch ein Leben lang darin zu reiten, sei es im Gelände, am Rind oder in der Dressur. Die, in Verbindung mit einer Last aufnehmenden Hinterhand, eher aufrichtende Wirkung kommt gerade der Versammlungsbereitschaft des Berbers sehr entgegen und mit seiner Sensibilität für feine Hilfen ist eben nicht nur die Reitweise, sondern auch die mit ihr einhergehende Zäumung hervorragend für diese Pferderasse geeignet.
Wer sich allerdings mit dem Gedanken trägt ein Bosal zu kaufen, bzw. damit zu reiten, der sollte auf gute Qualität, z. B. von Micha Nagel oder Bärti Frunz, achten, die beide ihre Bosals auf Mass in der kalifornischen Tradition herstellen und sich den Umgang von einem erfahrenen Ausbilder näher bringen lassen.

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