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KOMMUNIKATION

Ein Begriff, der sehr häufig in der Arbeit mit Pferden verwendet wird ist Kommunikation, also die Verständigung durch Zeichen und Sprache.
Da Pferde keine menschliche Sprache sprechen begrenzt sich die Kommunikation mit ihnen auf paraverbale (Art der Artikulation, also das Spektrum der Stimme (z. B. Tonfall, Lautstärke, Sprechtempo) und vor allem nonverbale Kommunikation (Mimik, Körperhaltung und Bewegung im Raum).
Nun stellt sich allerdings die Frage, wie gleichberechtigt die Kommunikation ist und ob ein wirklicher Dialog entstehen darf. Hat das Pferd die Möglichkeit Nein zu sagen und sich zu äussern und vor allem, wird dieses eventuelle Nein auch vom Menschen akzeptiert, bzw. wie geht dieser damit um?

Nehmen wir uns das Beispiel der RoundPen Arbeit ohne Halfter und Strick, also in Liberty.
Toll denkt man sich zuerst, zwei Individuen auf begrenztem Raum die quasi ein Pferd-Mensch-Gespräch führen.
Überlegt man weiter, so wird schnell klar, dass das gesamte SetUp auf den Menschen optimiert ist und dem Pferd nur sehr wenig Spielraum für Kommunikation zugesteht. Angefangen damit, dass es im Kreis laufen muss, was schonmal nicht seiner Natur entspricht, hat es keinerlei Möglichkeit seinen eigenen Raum einzunehmen, wenn der Mensch dies nicht zulässt. Nicht einmal eine Ecke ist existent, die es nutzen könnte um dort einen „safe spot „ zu haben. Auch die Flucht in den freien Raum wird durch die Bande unmöglich gemacht. Ist diese dann auch noch blickdicht, dann ist dem Pferd quasi jede Möglichkeit genommen seiner Natur entsprechend als Fluchttier zu agieren oder zu reagieren, sogar der Blick nach aussen wird ihm verwehrt.
Auch wenn sich Liberty also erstmal toll und schön anhört, sieht man doch leider oft einen Monolog des Menschen und ein Pferd was darauf getrimmt wird „Befehle“ auszuführen, da ihm schlicht keine andere Möglichkeit bleibt.

Das soll nicht heissen, dass RoundPen Arbeit oder Liberty grundsätzlich als schlecht zu bewerten wären, aber wir sollten uns als Ausbilder immer wieder selbst reflektieren, wie viel „Meinung“ und eigene Ideen wir dem Pferd zugestehen, wieviel Dialog wir wirklich zulassen oder eben leider vielleicht auch nicht.
Geht es uns wirklich um den Dialog, das „freie“ Spiel, Kreativität, ausloten von Grenzen, oder doch eher darum dem Pferd irgendwelche Übungen beizubringen und es zum ausführenden Narren unserer Ideen zu machen? Lassen wir ihm seinen ganz eigenen Stolz und lassen wir es sich selbst ausprobieren, oder hat es gar keine andere Möglichkeit als unserer Idee zu folgen?
Wären wir auch in der Lage mit einem Pferd in freier Wildbahn in dieser Art zu kommunizieren, ohne es vorher auf beengtem Raum quasi „gefügig“ gemacht zu haben.

Kommunikation ist Dialog, so gleichberechtigt wie möglich, geprägt vom Zuhören und der Akzeptanz der Meinung des anderen. Diskussion kann und darf entstehen, aber sie sollte allen Diskussionspartnern ermöglichen ihren Standpunkt zu erläutern. Nicht alles was auf den ersten Blick pferdefreundlich ist es auch zwangsläufig, denn es kommt immer auf das „Wie“ an, denn echte Freiheit bedeutet eben auch „Nein“ sagen zu dürfen und Vertrauen entsteht durch Liebe und Sicherheit, nicht durch mentalen oder körperlichen Zwang.

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