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PFERDE STARTEN IN DER HACKAMORE (BOSAL)

In der Zeit in der die Vaquero Horsemanship auf kalifornischem Boden ritten wurden alle Pferde im Bosal gestartet und viele ihr Leben lang darin geritten (übrigens ohne darin abzustumpfen 😉 )

Metall war in Kalifornien Mangelware und wurde sicherlich nicht dafür verwendet um Trensengebisse zu bauen, auch Bridle Bits waren kaum existent, weshalb eben viele Pferde ihr eben lang in der Hackamore blieben. Rinderhäute waren vorhanden, aus denen Rohhaut relativ einfach Rohhaut hergestellt werden konnte, da diese nicht gegerbt wird wie Leder.

Die Trense ist ein Einfluss, der über die östlichen Bundesstaaten in die USA kam und natürlich auch Kalifornien erreichte. Jedoch war die Trense zu allen Zeiten die Zäumung der Farmer und hatte nie einen grossen Stellenwert in alta California.

Dies änderte sich, als die Kavallerie schnell viele Pferde benötigte, die von mehr oder weniger talentierten Reitern einfach zu bedienen sein und schnell ausgebildet werden sollten- zu diesem Zweck kam verstärkt die Trense zum Einsatz.

Ein Sprichwort in Kalifornien besagt “a horse has only one mouth” und in der klassisch kalifornischen Reiterei versaut man sich dieses mit Sicherheit nicht mit einer Trense, sondern schont es, bis zur letzten Verfeinerung im Bit.

Traditionell wurde die Pferde mit ca. 5 Jahren zugeritten, also in einem Alter in dem der Zahnwechsel vollzogen ist, weshalb die Hackamore auch nie als Übergangszäumung für den Zahnwechsel gedacht war, dies ist ein Einsatzzweck der modernen Sportreiterei in der die Pferde heute bedeutend früher gestartet werden, hat mit der traditionellen Verwendung aber nichts zu tun.

Die Hackamore, bzw. das Bosal in all seinen verschiedenen Grössen war und ist schlicht die Ausbildungszäumung der California Vaqueros- das Bit die letzte Politur am fertig ausgebildeten Pferd.

In Europa verhält es sich ähnlich, nur ersetzt hier der Kapzaum das Bosal, welcher dann mit der Kandare ergänzt wird.

Die Aussage “man kann nicht”, die oft ins Feld geführt ist sicherlich kritisch zu sehen, besser wäre an dieser Stelle “ich kann nicht”, denn nur weil man selbst etwas nicht beherrscht, heisst dies noch lange nicht, dass es nicht irgend jemand anders kann und sei der eigene Name noch so berühmt.

Es ist richtig, dass es in der Ausbildung des Jungpferdes in der Hackamore einiges zu beachten gilt, aber dies ist allgemein gültig in jeder Zäumung. Richtig ist auch, dass die Hackamore ein feineres Reiten erfordert, schummeln ist schlicht nicht möglich und man kann das Pferd, bei korrekter Anwendung, nicht zu etwas zwingen, sondern muss das gewollte zur Idee des Pferdes machen.

Ein etwas konträrer Punkt in der Hackamore ist die Stellung, die durch die Einwirkung am Unterkiefer nach innen, sagen wir mal, erschwert wird. Da die Zäumung aber mit Impulsen geritten wird und auch ein Aussenzügel vorhanden ist, der gegebenenfalls die Stellung wieder korrigieren kann ist auch dies nur eine Frage der richtigen Anwendung.

Aus der praktischen Erfahrung können wir sagen, dass es problemlos möglich ist Pferde in der Hackamore zu starten, ja sogar sehr erstrebenswert, da diese Pferde bedeutend leichter, feiner und williger werden. So haben wir Ninas Jungstute z. B., entgegen der Tradition, bereits nach wenigen Einheiten ins 1/2″ genommen, da sie einfach so fein auf das 5/8″ reagierte. Alle unsere Pferde werden im Bosal, bzw. der Hackamore geritten und bis dato hatten wir noch kein Pferd, bei dem eine Trense von Nöten gewesen wäre.

Natürlich ist es auch problemlos möglich ein Trensenpferd ins Bosal umzustellen und meist stellen sich bereits in kurzer Zeit grosse Erfolge ein, wenn der Reiter bereit ist dementsprechend auch an sich zu arbeiten. So hatten wir z. B. vor einigen Jahren eine Springstute, die in der Trense “fast nicht zu halten”, geschweige denn fein zu reiten war. Durch den Neustart in der Hackamore hatten wir einen komplett neuen Anfang und ein ausgewechseltes und dankbares Pferd.

Da die Einwirkung der Hilfen allerdings konträr ist halten wir es für wenig sinnvoll zwischen den Zäumungen zu wechseln, wenngleich manche Pferde ganz gut damit klar kommen, macht man es ihnen trotzdem nicht einfacher.

Grundsätzlich ist natürlich nichts in Stein gemeisselt und natürlich kann man ein Pferd auch über die Trense in die Hackamore bringen, aber warum sollte man einen Golf fahren, wenn der Porsche in der Garage steht? 😉

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